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Das Herrenhaus des Sternenberger Hofes vor dem Abriss im April 2007

                                                                                                                                                                                  Foto: René Denzer

 

 

Wie aus „Sternenbergs Villa“ die „Kaiserhöfe“ wurden.

 

Als ich im April 2007 in der Kölnischen Rundschau den Artikel von René Denzer las, dass an der Kaiserstraße in Urbach auf dem „ehemaligen Militärgelände“ eine Wohnsiedlung entstehen und andere Zeitungen berichteten, dass das „Stemag-Gelände“ bebaut würde, kam mir die Idee, das Territorium zu „erforschen“. Als alter Urbacher kannte ich den Bereich gegenüber dem HIT-Markt, der sich hinter einer roten Bachsteinmauer verbarg, als Park an „Sternenbergs Villa“. Da diese Villa um die vorletzte Jahrtausendwende errichtet war, musste es sein, dass noch Alteingesessene mir einiges erzählen konnten. Etliche Urbacher kannten noch Details aus der Entstehungszeit des Parks und der Villa, aus der Kriegszeit und aus der jüngeren Geschichte (1960/1970). Die besten Informationen erhielt ich vom Ehepaar Johannes Elfgen und seiner Frau Therese geb. Lob; aber auch von der Tochter des letzten Pächters vom Sternen-bergerhof/Schwanenhof von Magdalene Weyen geb. Capellmann.

Hilfreich waren auch die Ausführungen von Theo Gerhards in seinem Heft „Urbacher Geschichten“. (S. 28) Hinweise über vorübergehende Industrie-ansiedlungen in diesem Gebiet fand ich auch in den Werken „Porz, die dynamische Stadt“ und „20 Jahre Stadt Porz“, herausgegeben vom Presseamt der ehemaligen Stadt Porz.

Wieso bezeichnen die alten Urbacher, das leider abgerissene Haus „Sternenbergs Villa“ und warum wurde das Gebäude und der dazu gehörige Park nicht geschützt? Eigentümer von beiden war die Stadt Köln, die weder das Gebäude unter Denkmalschutz, noch den Park unter Landschaftsschutz stellte. Sie hätte sich dann bei der „Verwertung“ des Grundstückes selbst ein Bein gestellt. Eine Bebauung in der jetzigen Form wäre nicht möglich gewesen; das hat sich bei der langen Suche nach einem Investor gezeigt. Ergebnis war: Kerngesunde, hundert Jahre alte Buchen, Kastanien, Erlen und Akazien wurden in einer Vielzahl innerhalb weniger Tage gefällt und entfernt. Die „Villa“, die von 1899-1902 im Jugendstil gebaut, zwar an der äußeren Fassade aus „Zweckmäßigkeitsgründen“ im Krieg umgebaut wurde, aber im Inneren gut erhalten war, riss man ab. Der örtlich zuständige Politiker wurde aktiv, hat sich massiv beschwert, aber gehört hat man dann nichts mehr. Weiter auf die Hintergründe und entsprechende Beschlüsse verschiedener Gremien einzugehen, ist an dieser Stelle nicht angebracht.

Der Sternenberger Hof, dessen Namen im Zusammenhang mit der „Villa“ auf-taucht, lag an der Kupfergasse und war bis zum Neubau der Urbacher Grundschule als Gutsanlage mit seinen Scheunen, Stallungen und Gesindehaus noch gut zu erkennen. Nachdem 1960 der letzte Pächter auszog und die Hofanlage an die Stadt Porz verkauft wurde, zog der städtische Bauhof in die meisten Gebäude ein; die zur Kupfergasse hin gelegenen ehemaligen Stallungen wurden umgebaut und waren lange Jahre als Heinrich-Lob-Haus das Sänger-heim des MGV Urbach. Das Wohngebäude diente städtischen Angestellten als Unterkunft.

Nachweisbar ist der Sternenberger Hof urkundlich 1710 und 1773 in den sogen. Waldaufteilungsurkunden. Hierin wurde die größenmäßige Aufteilung und die „Bewirtschaftungsgenehmigungen“ des „gemeinen Busch“ – später „Gemeinheitsbusch“ und ab 1830 des „Urbacher Erbenwaldes“ am Grengel geregelt. Die Zahl der Wald- und Weideanteile richtete sich nach der Größe der Höfe; d. h. nach der zu beackernden Fläche. Der Sternenberger Hof muss aufgrund seiner Anteile groß gewesen sein. Heute ist noch bekannt, dass die Ländereien zwischen der heutigen Kaiserstraße und der Zündorfer Straße und in West-Ostrichtung zwischen Frankfurter Straße und dem Parkgelände um die Villa zum Hof gehörten. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts wurde er vom Besitzer bewirtschaftet, mindestens vier Generationen der Familie Sternenberg waren das. Im Ursprung kam ein Spross aus einer Eiler Großfamilie durch Heirat in einen Urbacher Hof, den Uhlhof/Finkelberghof, der nördlich neben der Kirche lag. Von ihm wurde der später nach ihm benannte Sternenberger Hof am Ende der Kupfergasse gebaut. Durch besondere unterschiedliche Aktivitäten für und in der Dorfgemeinschaft wurden die Sternenbergs in Urbach bald bekannter als ihre Verwandten in Eil, trotzdem zu diesem Zweig die Mellers und Neubeisers gehörten. Der Enkel des ersten Sternenbergers in Urbach, Bernhard Sternenberg ( * 29.11.1817 + 27.9.1892 ) war, - wenn es auch auf seinem Urbacher Grab-stein steht -, nie Bürgermeister zu Urbach, sondern ab 1875 Bürgermeister der Bürgermeisterei Heumar, zu der damals neben Porz auch Eil und Urbach gehörten.

 

Dem Vater Bernhard Sternenberg folgte der Sohn Bertram auf dem Hof, der aber - wie man in Urbach sagte – in erster Linie Sohn und erst in zweiter Linie Landwirt war. Die Ehe mit Berta geb. Meller blieb kinderlos; deshalb wunderte man sich über seine Baupläne. Das Gelände an der heutigen Kaiserstraße (damals noch Porzer Weg) vom Lichpfad in Richtung Rhein ungefähr bis zur Einmündung der heutigen Egmontstraße, im Süden begrenzt von der heutigen Zündorfer Straße, sollte Parkanlage werden und mittendrin das „Herrenhaus“ , gebaut werden. Zur Erläuterung ist zu sagen, dass der Lichpfad (nicht Lichtpfad, sondern mundartlich „Lichpatt“) gegenüber dem Brauhaus Dürscheidt als Umgehungsweg für die Leichenzüge aus Porz benutzt werden musste, da einmal die offenen Totenkarren (die Verstorbenen waren auf Stroh gebettet) nicht durch den Ortskern von Urbach fahren durften und zum anderen Porz zu der Zeit kirchlich noch zu Urbach gehörte und die Bestattungen daher in Urbach stattfanden.

Das ausgesuchte Gelände war um die Jahrtausendwende noch Ackerland, im Besitz von Bertram Sternenberg und daher gut beplanbar. Es wurde zunächst wie eine Weide eingezäunt; allerdings zur Kaiserstraße hin mit einem schmiede-eisernen Zaun und drei großen Toren. (Die alte Urbacher Dorfschmiede war auf dem Gelände der heutigen Shell-Tankstelle an der Frankfurter Straße.) Die rote Backsteinmauer, die heute noch steht, wurde erst 1946 errichtet.

Die östliche Einfahrt zum Park war da, wo lange Jahre der Haupteingang der STEMAG mit dem Pförtnerhäuschen war, das Mitteltor ist noch vorhanden und die westliche Ausfahrt war an der Stelle, wo heute der Heinrich-Lob-Weg mit der Einfahrt zur Tiefgarage ist. Im Gelände führte ein breiter Fahrweg vom Osttor am Haus vorbei zum Westtor. Vom Haus zum Mitteltor gab es nur einen rechts und links bepflanzten Fußweg. Das Haus selbst war zweigeschossig im Jugendstil gebaut. Baubeginn war in 1899.

Zur Kaiserstraße lag der überdachte Haupteingang mit einer mehrstufigen Freitreppe. Von dort gelangte man in eine Empfangshalle – heute würde man sagen „Foyer“ -. Ringsherum ging es in die einzelnen Räume: Musikzimmer, Bibliothek, Arbeitsraum, Speisezimmer und Küche. Im Obergeschoss waren die Schlafzimmer, ein Ankleiderraum, Bäder und Gästezimmer. Von der Küche (im Erdgeschoss), die im Ostteil des Hauses lag, führte der Boten-Ein- und Ausgang   in die Remise, ein Zwischenbau zwischen Herrenhaus und „Kutschers Huus“, wie die Einheimischen es nannten. Der dort mit seiner Familie wohnte, war aber nicht nur Kutscher, sondern eher Hausmeister mit Gärtnerfunktionen. Wenn der Herr es wünschte, wurden Pferd und Kutsche vom Hof (Kupfergasse) geholt und vorgefahren. Für den riesigen Park mit den bereits oben erwähnten Bäumen waren drei „Tagelöhner“ zuständig.

Bertram Sternenberg zog mit seiner Frau, nachdem alles fertig gestellt war, 1901 in seine „Villa“ ein und plante dann weitere Um- und Anbauten im Hof, die darin mündeten, dass „Arbeiterwohnhaus“ in westlicher Richtung 1909 zu erweitern, einen zusätzlichen Eingang zu schaffen – den heute noch vorhandenen Hauseingang zur Kaiserstraße hin.

Kurz vor dem 1. Weltkrieg zog sich Bertram Sternenberg ganz aus der Landwirtschaft zurück und verpachtete den Hof an Wilhelm Fröhlich, dessen Nachfolger als letzter Pächter 1928 Friedrich Capellmann wurde. Aus den unterschiedlichsten Gründen wollte er nicht mehr, dass „sein“ Hof weiterhin als Sternenberger Hof bezeichnet wurde und ständig zu Verwechselungen mit dem alten Sternenberger Hof in Eil an der Heumarer Straße führte. er hieß fortan „Schwanenhof“. Aus heutiger Sicht kann man sagen, dass sich dieser Name in der Bevölkerung nie durchgesetzt hat.

1960 lief der Pachtvertrag aus. Nach dem Vermächtnis der kinderlosen Sternebergs waren Hof, Villa und Ländereien an die Gemeinde Porz gefallen.

Am 1.12.1960 zog der Bauhof der Stadt Porz (Stadt seit dem 15.9.1952) in die Hofanlage ein und veränderte nach dessen Bedürfnissen einiges. Die große Wiese zur Kaiserstraße hin gelegen (heutige Einkaufspassage) wurde befestigt und diente einige Jahre als Urbacher Fest- und Kirmesplatz.

Die Villa wurde bis zum Tode von Berta Sternenberg (1937) von ihr alleine bewohnt und dann vorübergehend immer sehr kurzfristig von der Gemeinde Porz vermietet, bis der Staat Anfang 1940 das gesamte Gelände konfiszierte; d.h. entschädigungslos beschlagnahmte, um einen „kriegswichtigen“ Betrieb dort anzusiedeln: AERO-STAHL-Fluggeräte GmbH. In einem sehr kleinen Betrieb (ca. 25 Beschäftigte) stellte die Firma kleine Flugzeugmotorenteile her. Unmittelbar neben der Fa. Meirowsky (ab 1941 Dielektra, später Tochterunternehmen von Felten & Guilleaume) an der Bahnstrecke gelegen wurde produziert. Nachdem der Staat auf dem Sternenberger Gelände die Räume der Villa zu Büros umfunktioniert und sechs ebenerdige Gebäude zur Westseite hin gebaut hatte, incl. Haupttor und Pförtnerhaus, kam das Werk unter die Oberaufsicht der Hermann-Göring-Werke in Salzgitter und wurde „kriegswichtiger Betrieb“. Urbacher Frauen wurden kriegsdienstverpflichtet ( u.a. Therese Elfgen geb. Lob 1942/43) meist als Vor-arbeiterinnen. Das Heer der Beschäftigten bestand aus Zwangsarbeiterinnen, die überwiegend aus Polen und südeuropäischen Ländern zusammengeholt wurden. Sie lebten in Baracken auf dem Grengel (Nähe Kriegerstraße) und wurden zweimal täglich zu Fuß über die Waldstraße zur Arbeitsstätte und zurück in Kolonnen geführt. Einzelheiten über Unterkunft und Verpflegung in diesem Zusammenhang zu schildern, erspare ich mir. Um die Produktion (in 1. Linie Einspritzpumpen für Stuka in BMW-Motoren) nicht zu gefährden, da der Bombenkrieg immer intensiver wurde, verlegte der „Rüstungsstab des Reichswirtschaftsministeriums“ das Werk nach Polen; aber bereits Ende 1943 wieder zurück zunächst nach Urbach, dann aber wurde von August 1944 bis Möärz 1945 in Bergstollen in Königswinter wurde produziert. Der Einmarsch der Amerikaner stoppte erst die grausamen Tätigkeiten.

Nach dem II. Weltkrieg wurden die verbliebenen Betriebsanlagen, soweit sie nicht von den abziehenden Deutschen zerstört und von den Besatzungssoldaten demontiert waren, von Plünderern ausgebaut und als Altmaterial verkauft. Ehe 1946/47 die Gemeindeverwaltung wieder ans Laufen kam, blieben nur noch die leeren Räume. Da die Feuerwehr auch kein richtiges Zuhause mehr hatte , wurde 1947 auf dem südlichen Teil des Geländes an der heutigen Zündorfer Straße eine neue Wache geschaffen, das gesamte Gelände gesichert und z.T. bewacht, um es als Ganzes als Industrieanlage vermarkten zu können. Bereits 1949 interessierten sich die Dralowid-Werke aus Berlin für das Gelände. Die Villa wurde als Verwaltungszentrale mit zahlreichen Büros umgebaut, soweit das noch nicht zu Zeiten der Aero-Stahl geschehen war. Die große Fertigungs- und Versandhalle ( siehe Bild) entstand ebenfalls im südlichen Bereich des Parkes. Haupteingang mit Pförtnerhäuschen war auf der Kaiser-straße gegenüber dem Gasthaus Dürscheidt. Ebenerdig waren barackenähnliche Gebäude recht kurzfristig entstanden für Drahtlackiererei, Labors etc.), da der Betrieb bereits Mitte 1950 anlief. Das Dralowid-Werk ist mit einigen anderen Stammwerken im Frankenland aus der Steatit-Magnesia AG. Nürnberg, meist STEMAG genannt hergegangen. Im Werk wurden hergestellt und geliefert: Bauteile für elektrische Geräte aller Art, hierzu zählen Rundfunk- und Fernsehgeräte ebenso wie Tonband- und Fotoblitzgeräte, Steuergeräte für Kühltruhen, Ölheizungen und Industriemaschinen, sowie elektrische Widerstände jeglicher Art, auch spezielle Metallschichtwiderstände für die Raumfahrt. In der Spitze waren bei der STEMAG 350 Frauen und Männer in einer Vielzahl von Berufen beschäftigt, neben kaufmännischen Berufen Ingenieure und Techniker der Fachrichtung Maschinenbau und Elektrotechnik, Werkzeug-macher, Maschinenschlosser, Dreher, Mechaniker, Rundfunk- und Fernseh-techniker, Starkstromelektriker, aber auch Frauen und Männer für die Serienproduktion von Bauelementen. Nach etlichen Fusionen (seit 1969 gehörte die STEMAG zum AEG-Konzern) wurde das Porzer Dralowid-Werk zum 1.7.1971 der CRL Elelctronic Bauelemente GmbH. einverleibt. Die Strategie dieser Firma duldete keine kleinen „Zulieferer“ mehr und baute nach und nach die Aufgaben und damit die Arbeitsplätze ab, bis schließlich 1972 noch 56 Mitarbeiter zur „Abwicklung“ anstanden.

1973 ging das Gelände an die Bundesvermögensverwaltung und fiel an die Immobilienverwaltung der Bundeswehr, die bis 2006 in der Villa und den westlichen in Richtung Porz verbliebenen Baracken einen Verwaltungsbereich einrichteten. Im östlichen Teil des Geländes entstand die Siedlung „Unter den Erlen“, im südlichen die Wohnbebauung „Hugo-Distler-Weg“. 2007 wurde mit der Errichtung der „Kaiserhöfe“ begonnen: auf knapp 18000 qm entstanden 22 Einfamilienreihenhäuser und drei ineinander verschachtelte Wohnblocks mit 85 öffentlich geförderten Mietwohnungen. Der erste Bezug erfolgte zum 1.10.2009.

                                                                                                   Friedhelm Speck